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KI für B2B Commerce: Einführung und Entwicklung

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Der B2B-Commerce befindet sich in einem Wandel, der nicht nur die eingesetzten Tools, sondern das gesamte Beziehungsmodell zwischen Anbietern und Käufern neu definiert. 

Künstliche Intelligenz ist längst nicht mehr nur eine neue Technologie, die es zu erkunden gilt, sondern ein konkreter Wettbewerbsfaktor, der die Art und Weise verändert, wie Einkäufer Produkte suchen, Anbieter bewerten und Kaufentscheidungen treffen. 

Mattia Foscaro, Senior Commerce Manager bei Tinext Experience, hat diese Themen kürzlich sowohl beim letzten Netcomm B2B Focus als auch in unserem Webinar „KI für B2B Commerce: mehr Effizienz bei Bestellungen, mehr Mehrwert für Kunden“ (Replay hier verfügbar) vertieft und dabei ein klares Bild der Chancen und Herausforderungen gezeichnet, denen Unternehmen begegnen müssen, um in diesem neuen Szenario wettbewerbsfähig zu bleiben. 

Die neue B2B Customer Journey: von data-driven zu AI-driven

Die erste bedeutende Erkenntnis betrifft die Veränderung des Such- und Kaufverhaltens: Heute erwarten 61 % der B2B-Einkäufer direkte Einkaufserlebnisse, die mit dem B2C-Bereich vergleichbar sind. Sie möchten nicht mehr ausschließlich von Vertriebsmitarbeitern oder traditionellen Verhandlungsprozessen abhängig sein, sondern sich eigenständig informieren, Lösungen vergleichen und fundierte Entscheidungen treffen, bevor sie überhaupt mit einem Verkäufer in Kontakt treten. 

Noch relevanter ist: Über 90 % der Nutzer, die KI im B2B-Kontext einsetzen, verwenden sie zur Suche nach Produkten und Lieferanten. Das bedeutet, dass traditionelle Suchwerkzeuge wie klassische Google-Suchen, Marktplätze oder statische Kataloge zunehmend durch KI-basierte Conversational Engines ersetzt werden, die kontextbezogene Antworten, automatische Vergleiche und personalisierte Empfehlungen liefern. 

Der Rückgang des traditionellen Traffics und die Dringlichkeit neuer Kanäle

Ein Trend, der besondere Aufmerksamkeit verdient und sich vom US-Markt schnell auf Europa ausbreitet, ist der allgemeine Rückgang des Traffics über traditionelle Kanäle. Mehr als 76 % der US-amerikanischen B2B-Unternehmen hatten bis 2025 bereits einen Marketplace-Kanal aktiviert, dennoch verzeichnen viele einen Rückgang des organischen Traffics – sowohl über Google als auch über die Marktplätze selbst, einschließlich Amazon. 

Dieses Phänomen ist nicht vorübergehend: Käufer – und Nutzer allgemein – verändern strukturell die Art und Weise, wie sie Informationen und Lieferanten suchen. Während der Kaufprozess früher meist mit einer Google-Suche begann, gefolgt vom Besuch von E-Commerce-Websites oder Marktplätzen, verlassen sich heute immer mehr Nutzer auf KI-Chatbots, virtuelle Assistenten und konversationelle Plattformen, um sofortige und personalisierte Antworten zu erhalten. 

Für B2B-Unternehmen bedeutet dies eines ganz klar: Investitionen in KI-gestützte Funktionen als neuen Akquisitionskanal sind nicht länger optional, sondern essenziell, um Sichtbarkeit und Geschäftsmöglichkeiten nicht zu verlieren. 

Agentic Commerce: von Automatisierung zu intelligenter Orchestrierung

Während viele Unternehmen KI noch hauptsächlich als Werkzeug zur Automatisierung repetitiver Aufgaben betrachten, entwickelt sich der Markt zunehmend in Richtung Agentic Shopping: KI-Systeme, die nicht nur bei der Recherche unterstützen, sondern auch eigenständig Transaktionen auf Basis vordefinierter Nutzerkriterien durchführen können. 

Dieser Ansatz findet bereits konkrete Anwendung sowohl im B2C- als auch im B2B-Bereich. Viele B2B-Unternehmen setzen offene E-Commerce-Plattformen ein, die ohne verpflichtenden Login zugänglich sind und Produkte mit detaillierten Beschreibungen anzeigen – auch wenn Preise nicht immer öffentlich sichtbar sind. Diese Offenheit macht sie ideal, um Interaktionen mit KI-Systemen zu ermöglichen – von automatisierter Leadgenerierung bis hin zur automatisierten Bestellabwicklung. 

Um dieses Potenzial effektiv auszuschöpfen, müssen Unternehmen jedoch an der Qualität ihrer Inhalte arbeiten: Produktbeschreibungen verbessern, technische Informationen erweitern und Daten so strukturieren, dass KI-Systeme diese korrekt interpretieren und in relevanten Suchkontexten bereitstellen können. 

Über das traditionelle CRM hinaus: Vektorprofile und Datenorchestrierung

An dieser Stelle stellt sich die Frage: Was unterscheidet ein fortschrittliches CRM von AI-enabled Agentic Commerce? Die Antwort liegt in der Art und Weise, wie Daten verarbeitet und genutzt werden. 

Traditionelle CRM-Systeme arbeiten mit strukturierten Daten: Namen, E-Mail-Adressen, Transaktionshistorien und Vertriebsaktivitäten. Unternehmen sammeln Informationen über verschiedene Touchpoints und konsolidieren sie in einer Datenbank, die letztlich wie eine riesige Excel-Datei funktioniert, um Kontakte zu finden, Listen zu segmentieren oder Opportunities zu verfolgen. 

KI hingegen führt das Konzept des Vektorprofils ein: eine multidimensionale numerische Analyse, die jeden Kunden nicht nur anhand demografischer und transaktionaler Daten beschreibt, sondern auch anhand von Verhaltensweisen, Präferenzen, Interaktionen und Mustern. Dieser Ansatz ermöglicht es, KI auf natürliche Weise zu befragen, um prädiktive Insights zu generieren, ähnliche Profile zu identifizieren, Daten automatisch mit abgeleiteten Informationen anzureichern und Aktionen über verschiedene Systeme hinweg zu orchestrieren. 

Wenn beispielsweise ein Nutzer mit bestimmten sozio-demografischen Merkmalen bestimmte Produkte kauft, kann KI automatisch weitere potenzielle Kunden mit ähnlichen Profilen identifizieren, personalisierte Engagement-Strategien vorschlagen und sogar gezielte Upselling- und Cross-Selling-Kampagnen ohne menschliches Eingreifen aktivieren. KI ersetzt CRM-Systeme nicht, sondern orchestriert und erweitert sie, indem sie sie mit anderen Unternehmenssystemen – wie E-Commerce, ERP und Marketing Automation – integriert, um ein intelligentes, aktives und reaktionsfähiges Ökosystem zu schaffen. 

Deshalb müssen Unternehmen ihre technologische Infrastruktur AI-ready neu denken: Es geht nicht darum, einfach ein weiteres Tool hinzuzufügen, sondern die Art und Weise neu zu gestalten, wie Daten fließen, angereichert und zur Wertschöpfung genutzt werden. 

Der digitale Reifegrad Unternehmen: Sind wir bereit?

Die Einführung von B2B-E-Commerce hat in Italien Jahre gebraucht, um sich zu etablieren. KI hingegen beschleunigt die Entwicklung dramatisch: Was beim E-Commerce Jahrzehnte dauerte, materialisiert sich mit KI innerhalb weniger Monate. 

Gerade aufgrund dieser Beschleunigung stehen viele Unternehmen vor einer entscheidenden Frage: Ergibt der Einsatz von KI für uns Sinn – und wenn ja, wie? Noch immer herrscht große Unsicherheit, und viele Unternehmen tun sich schwer damit, reale Anwendungsfälle zu identifizieren, die über oberflächliche Experimente oder inzwischen veraltete Use Cases hinausgehen, wie etwa einfache Chatbots, die lediglich vordefinierte FAQs beantworten. 

Der entscheidende Faktor ist der digitale Reifegrad des Unternehmens: Es ist nicht möglich, einen technologischen Sprung hin zur künstlichen Intelligenz zu machen, wenn Prozesse noch fragmentiert und manuell sind und Daten in Silos oder nicht integrierten Systemen verstreut liegen. 

KI benötigt solide Grundlagen: klare Geschäftslogiken, eine datenorientierte Denkweise innerhalb der Organisation, strukturierte Data Governance und Systeme, die miteinander kommunizieren können. Ohne diese Voraussetzungen besteht die Gefahr, dass KI Ineffizienzen verstärkt, anstatt sie zu lösen.